Kinder, wie die Zeit vergeht…

Eigentlich liegt es mir fern die Vergangenheit zu bemühen, immerhin heißt es schon in der Bibel „Wer seine Hand an den Pflug legt und schaut zurück, ist nicht geschickt für das Himmelreich Gottes“ (Lk, 9,62). Dennoch wird man – oft rein zufällig – mit Gegebenheiten oder Daten konfrontiert, die dann zwangsläufig Erinnerungen aufleben lassen. Der Blick auf den heutigen Kalender produzierte genau so einen Moment: 2. Januar 2018. Vor 30 Jahren startete RTL plus – nach dem Umzug von Luxemburg – seinen Sendebetrieb in einem angemieteten Gebäude in der Aachener Str. 1036 in Köln-Junkersdorf. Ich war junger Sportstudent und… der allererste Volontär des Senders.   

Eine richtige Ausbildung gab es damals noch nicht, vielmehr lautete das Motto „Learning by doing“. Der damalige Chefredakteur Volker Köster gab mir auf den Weg: „Sie dürfen ruhig Fehler machen. Auch einen zweiten oder dritten. Aber niemals den selben!“ Das hat mich geprägt. Die damalige hochmoderne Technik gibt es heutzutage gar nicht mehr: U-Matic und Beta-SP. Wenn man nicht in der Lage war, innerhalb einer Woche einen Nachrichtenbeitrag (ohne Cutter!) selber zu schneiden war man fehl am Platz.

150 Mitarbeiter hatte der Sender damals – und es war eine eingeschworene Gemeinschaft. Vor dem Studio 2 im Keller gab es einen Tresen, wo nach 21 Uhr kostenlos Dom-Kölsch ausgeschenkt wurde. In der Anfangszeit ging man selten vor 2 Uhr nachts nach Hause, um dann wieder gutgelaunt am nächsten Morgen neue Pionierarbeit zu leisten. Kein Wunder also, dass die „alten“ RTL´ler immer noch ein überaus herzliches Verhältnis zueinander pflegen. Was für eine wunderbare Zeit!

Mein Volontariat wurde verkürzt und als junger Redakteur durfte ich Erfahrungen machen, von denen ich noch heute zehre: jeden Samstag 3-Stunden „Anpfiff“ mit Günter Netzer und Ulli Potofski, 1990 die gesamte Zeit im Lager der deutschen Mannschaft bei der Fußball-WM in Italien oder im selben Jahr die „Goodwill Games“ (eine von Ted Turner ins Leben gerufene Konkurrenz zu den olympischen Spielen) in Seattle. Und nicht zu vergessen die Formel-1. Die „Redaktion“ bestand neben Willy Knupp eigentlich nur noch aus zwei weiteren Enthusiasten. Die ersten Schritte von Schumi in Spa live dabei. Gänsehaut!

Als RTL die kompletten Formel-1-Rechte bekam stellte sich mir die Frage: für immer Motorsport oder doch noch einmal etwas Neues? Die Mauer war gefallen und in Dresden wurde wieder ein neuer Sender aufgebaut, der mdr. Neuland im Osten. Reizvoll. Ich durfte moderieren – also ging ich. Das notwendige Rüstzeug für das Fernsehen hatte ich bei RTL gelernt. Jede Retrospektive wird im Dunstschleier verklärt und unangenehme Begebenheiten werden ausgeblendet. Egal: es war einmalig, traumhaft!

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